Kaum ein Filmgenre spaltet die Fangemeinschaft in so regelmäßigen Abständen so stark wie die Literaturverfilmung. Durchaus verständlich, denn das neu Erzählen einer Geschichte, die schon von tausenden von Leuten in ihrer ursprünglichen Form genossen wurde, unter Umständen mehrmals in Abständen von mehreren Jahren, bis hin zu Jahrzehnten, und dazu noch einen Transfer von einer Erzählform in eine so grundverschiedene ist eine beinahe schon erschlagend große Herausforderung für den Regisseur.
Unerfüllbare Anforderungen
Und dank der Omnipräsenz des Internets ist diese, meist schon im Vorfeld der Produktion entstehende, Zerrissenheit der potentiellen Zuschauerschaft jederzeit abrufbar. Im allgemeinen läuft es folgendermaßen ab.
Eine Produktionsfirma kündigt an, dass sie mit der Produktion einer Literaturverfilmung zu einem bestimmten Werk beginnen werden. Darauf werden die ersten Stimmen laut, die das Buch zu einem absolut unverfilmbaren Meisterwerk erklären. Dann wird der Regisseur des Projektes bekannt gegeben, was entweder für Freude oder noch größere Frustration im ohnehin schon gespannten Fanlager sorgt. Bei den darauf folgenden Ankündigungen welche Schauspieler welche Rolle übernehmen werden, wird sofort hitzig darüber diskutiert ob die Schauspieler zu den Charakteren des Buches, beziehungsweise zu den Bildern die sich mit der Zeit von den Charakteren entwickelt haben passen und ob die bisherige Filmographie mit der Größe der literarischen Vorlage vereinbar ist.
Schicksal des späten Ruhms
Wenn der Film dann schlussendlich in den Kinos läuft ist der allgemeine Tenor zumeist, dass die Qualität des Originals nicht erreicht wurde. Es dauert häufig einige Jahre bis Literaturverfilmungen zu ihrem eigentlich verdienten Ruhm kommen und die Liebhaber der Vorlage einsehen können, dass die Verfilmung ihres Favoriten auch genug eigene Qualitäten besitzt.
In der Filmgeschichte gab es einige großartige Literaturverfilmungen, allen voran die Klassiker des Altmeisters Stanley Kubrick. Dieser bewies mit seinen Werken „2001 Space Odysse“ und „The Shining“ gleichzeitig auch, dass Filme die sich weit von dem literarischen Original entfernen erfolgreich und künstlerisch wertvoll sein können.